Bilder und Bildpraxen im Kontext digital-vernetzter Kulturen

Das diesjährige 13. Magdeburger Theorieforum wird am 26. und 27. Juni 2020 an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg stattfinden. 

Den inhaltlichen Fokus bildet die Frage nach den Verhältnissen von Bildern, Bildpraxen und Digitalisierung als dem Zusammenhang von (fotografischen) Technologien, Praktiken, Infrastrukturen und spezifischen Formen der Subjektivierung. Ausgehend von konkreten fotografischen und videografischen Phänomenen stehen theoretische und methodologische Zugänge im Vordergrund: 

Was bedeutet das Verhältnis von Bildern/Fotografie, Bildpraxen und Digitalisierung für sozial-, medien-, kultur- und bildungswissenschaftliche Forschung und Theoriebildung? Mit welchen theoretischen und methodischen Zugängen können gegenwärtige Phänomene digital-vernetzter Fotografie sowie Bildpraxen analysiert und reflektiert werden?

Seit der Erfindung der Fotografie in den 1830er Jahren ist der Bereich fotografischer Technologien, Praxen und Theorien in ständigem Wandel. Zentrale Aspekte dieser Transformation bilden der Schritt von analoger zu digitaler Fotografie sowie von digitaler zu digital-vernetzter Fotografie. Mit Beginn der Digitalisierung in den 1990er Jahren wurden vor allem Fragen der Glaubwürdigkeit und Manipulierbarkeit von Fotografien kritisch diskutiert (Stichwort: Photoshop), diese Aspekte werden heute u.a. in der Diskussion um „deep fake“ weitergeführt. Gegenwärtig rücken damit verbunden und darüber hinaus neue Fragen in den Vordergrund: digital-vernetzte Fotografie ist zu einem alltäglichen Phänomen und einer selbstverständlichen Praxis geworden, die in vielfältigen Facetten beobachtet werden kann und gegenwärtig in der Öffentlichkeit nicht zuletzt am Phänomen „Selfie“ diskutiert wird. Damit wird auf die kulturellen und populärkulturellen Aspekte des Visuellen und der visuellen wie audiovisuellen Kommunikation verwiesen. Aber auch Fragen der Überwachung, Kontrolle und des Datenschutzes bekommen mit der Verbindung von KI und Bildanalyse (z.B. Gesichtserkennung) eine zentrale Bedeutung.

Das diesjährige Theorieforum zielt auf die Diskussion und Reflexion des Verhältnisses von Fotografie und Digitalisierung unter Bezugnahme auf Begriffe, Konzepte, Ansätze, Theorien und Methoden, mit denen in unterschiedliche Disziplinen aktuelle Bildpraxen und visuelle Formen der Kultur und Kommunikation analysiert und reflektiert werden können. Themen und Fragen, die diskutiert werden können, sind beispielsweise:

  • Wie kann der gegenwärtige Wandel im Bereich Fotografie/n theoretisch und (forschungs-)methodisch reflektiert werden?
  • Welche Bedeutung hat digital-vernetzte Fotografie hinsichtlich der Transformation von Welt- und Selbstverhältnissen?
  • Inwieweit (bzw. in welcher Weise) werden Bildpraxen und visuelle Kulturen technologisch mit konstituiert?
  • Welche Potenziale besitzt digital-vernetzte Fotografie hinsichtlich Orientierung, Reflexion, Dezentrierung, Differenzierung und Irritation? 
  • Wie verändern sich individuelle und gesellschaftliche Wahrnehmung unter den Bedingungen digital-vernetzter Fotografie (Historizität von Wahrnehmung)?
  • Was bedeutet dieser Wandel für die Theorie (und Praxis) der Medienbildung?
  • Welchen kulturellen (oder populär- oder jugendkulturellen) Stellenwert haben ausgewählte Bildpraxen und visuelle Formen der Kommunikation?

Der Zusammenhang von Digitalisierung und Fotografie kann anhand unterschiedlicher Themenbereiche und Phänomene aus interdisziplinärer Perspektive bearbeitet werden. Beispielhaft hierfür stehen:

  • Ubiquitäre Plattformen (z.B. flickr, instagram, snapchat oder auch facebook, whatsapp) und spezialisierte Communities (z.B. fotocommunity.de);
  • Fotografische Technologien (z.B. Smartphone-Fotografie, Apps, Filter, CCTV, Dashcam, Actioncam, Wearable Cameras);
  • Fotografie und Künstliche Intelligenz (KI) / Algorithmen;
  • Fotografische Praxen (machen, teilen, referenzieren, archivieren);
  • Fotografische Formen und Funktionen (z.B. Ingame- Fotografie);
  • Status und Verhältnis von Einzelbild, Abfolge und Serie;
  • Einstellungen und Haltungen zu Fotografie/n;
  • Artikulation und Selbstausdruck sowie (jugend-)kulturelle Kontexte;
  • Verhältnis neuer Bildtechnologien und Kontrolle/Überwachung;
  • Soziale, kulturelle, politische und auch pädagogische Relevanz neuer Formen der Bildbearbeitung und -manipulation;
  • Subjektivierung und Identitätsentwicklung;
  • Medienkonvergenz und Medienverbund.

Interessent*innen sind herzlich eingeladen, bis zum 15. April 2020 ein kurzes Abstract im Umfang von maximal 500 Wörtern an theorieforum@ovgu.de zu schicken (Titel, Fragestellung, Theorie, Methoden).

Die Mitteilung über die Annahme der Abstracts erfolgt bis zum 15. Mai 2020. Einreichungen von interdisziplinär ausgerichteten oder aus anderen Fachdisziplinen als der Medienbildung bzw. Bildungswissenschaft stammende Beiträge sind ausdrücklich erwünscht. Das Theorieforum soll Raum zum intensiven und auch fachübergreifenden Austausch bieten, daher umfassen die Slots für die Vorträge bis zu 90min (45 Min. Vortrag und 45 Min. Diskussion).

Das Theorieforum wird von den Lehrstühlen Pädagogik und Medienbildung und Medienforschung und Erwachsenenbildung der Fakultät für Humanwissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg organisiert und gemeinsam mit der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) durchgeführt.

Magdeburg, 28.01.2020


Stefan Iske, Johannes Fromme, Katrin Wilde


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